Am 20. Januar fand in Frankfurt ein Symposium der sog. „Demo für alle“ statt, zu dem Themen wie Gender- und Familienvielfalt mittels pseudowissenschaftlicher Thesen abermals verteufelt wurden. 

Wir haben diesem Fundamentalismus und Hass gemeinsam mit unseren Partner*innen vom Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt widersprochen und sind für Diversität und Akzeptanz eingetreten. Mit ca. 2.500 Menschen haben wir uns den Vertreter*innen des Symposiums entgegengestellt. Landesvorstand Dr. Matthias E. Janssen hat den LSVD dabei im Rahmen einer Kundgebung mit einem Redebeitrag vertreten, den Ihr hier nachlesen könnt:

„Mitstreiterinnen und Mitstreiter für eine offene Gesellschaft, Unterstützerinnen und Unterstützer der LSBTQI-Community,

Wir haben uns heute hier versammelt um jeder Form von Hass ein deutliches NEIN entgegenzurufen. Stattdessen sagen wir JA zur Freiheit: zur Freiheit zu glauben, was man will, zur Freiheit zu leben, wo man will, und zur Freiheit, zu lieben, wen man will.
Wer die Grundrechte einer Gruppe in der Gesellschaft angreift, der greift uns alle an.

Akzeptieren heißt anerkennen, tolerieren bedeutet erdulden, daher fordern wir mit Fug und Recht Akzeptanz. Die angeblich besorgten Eltern, die gegen einen angeblichen „Gender-Wahn“ beklagen, Pegida-Marschierer, die gegen Flüchtlinge anschreien, die religiösen Fundis aller Art und die AfD-Nationalisten, die uns zur Hölle wünschen, sie alle haben etwas gemeinsam: Sie können die Vorstellung nicht ertragen, dass Lesben, Schwule oder Transgender Menschen die gleiche Würde haben und mit gleichen Rechten ausgestattet sind wie sie selbst. ABER: Sie liegen damit grundlegend falsch! Sie betrachten uns als minderwertig um sich selber besser zu fühlen. Sie stützen ihr Selbstbild mit der Abwertung anderer.

Wir erleben gerade eine Renaissance des Ressentiments. Das muss uns Grund zur Sorge sein. Aber lasst uns dennoch keine Angst vor ihnen haben. Denn wir haben viel, viel mehr zu bieten als sie: Freiheit statt Unterwerfung, Demokratie statt Fundamentalismus, Vielfalt statt Einfalt.

LSVD Hessen bei der Demo für Vielfalt und Liebe

Wer verbieten möchte, dass Kindern beigebracht wird, dass alle Menschen, und damit auch Lesben, Schwule, Bisexuelle, transsexuelle und intergeschlechtliche Menschen gleichwertig und gleichberechtigt sind, will die heutige Lebensrealität weder akzeptieren noch tolerieren und ist damit mitverantwortlich für Mobbing und Ausgrenzung auf unseren Schulhöfen und im Job und in Zusammenleben. 

Und wer unser Antidiskriminierungsgesetz abschaffen möchte, der nimmt in Kauf, dass ältere Menschen, Frauen, Menschen mit Behinderung oder anderer Herkunft sowie Religion ohne rechtlichen Schutz auf dem Wohnungsmarkt oder im Arbeitsleben diskriminiert werden dürfen.

Aber das werden wir als Lesben- und Schwulenverband gemeinsam mit Euch allen nicht hinnehmen. Wir werden heute und in Zukunft gemeinsam deutlich machen, dass ihre Vorstellung einer völkisch-autoritären Gesellschaft aus dem 19. Jahrhundert stammt und in den Mülleimer der Geschichte gehört. Wir setzen dagegen das Angebot einer offenen Gesellschaft. Nur in einer offenen Gesellschaft ist Freiheit erreichbar: Nämlich die Freiheit aller, jederzeit, an jedem Ort ohne Angst verschieden sein zu können. Diskriminierung und Ausgrenzung schaden dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Lasst uns gemeinsam streiten für eine vielfältige offene Gesellschaft, in der die Individualität jedes Menschen geachtet und respektiert, AKZEPTIERT, wird.

In letzten Jahr wurde die Ehe für alle errungen und die Aufhebung der Urteile nach §175. ABER: Die Verteidigung der offenen Gesellschaft kann nicht heißen, nur den Status quo zu verteidigen. Die Antwort auf all die Hetze und den Hass muss lauten: Jetzt erst recht! Jetzt erst recht mehr demokratische und soziale Teilhabe für alle, jetzt erst recht endlich gleiche Rechte für alle Menschen.

Daher rufen wir Frau Merkel, Herrn Seehofer und Herrn Schulz sowie Herr Bouffier unsere Forderungen entgegen. Wir forldern:
• einen Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung von LSBTI-Feindlichkeit
• die Ergänzung von Artikel 3, Absatz 3 im Grundgesetz um die Merkmale der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität
• eine menschenrechtsbasierte Gesetzgebung zur Anerkennung der Geschlechtsidentität
• die rechtliche Anerkennung und Absicherung von Kindern in Regenbogenfamilien
• eine menschenrechtskonforme LSBTI-inklusive Flüchtlings- und Integrationspolitik
• ein glaubwürdiges weltweites Eintreten für Entkriminalisierung und Akzeptanzförderung von LSBTI.

Die offene Gesellschaft braucht Vorwärtsverteidigung. Dann können wir alle dazu beitragen, dass diese hässliche Renaissance der Ressentiments eine kurze Epoche bleibt.

Wer mit seiner Hetze blinden Hass schürt, die Ängste von Menschen aber nicht ernst nimmt, sondern nur für seine Zwecke instrumentalisiert, der wird auf unser aller Widerstand treffen. Mit Euch zusammen, werden wir als LSVD auch weiterhin gegen Rassismus, Antisemitismus, Antifeminismus, Islamfeindlichkeit sowie Homo- und Transphobie UND für gleiche Rechte, Vielfalt und RESPEKT Und AKZEPTANZ kämpfen. Danke“