Anlässlich der am 30. Oktober 2016 stattfindenden Kundgebung der sog. „Demo für alle“ in Wiesbaden, erklärt Matthias E. Janssen, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Hessen:

Der LSVD Hessen ruft zur Teilnahme an der Gegenkundgebung und Demonstration des „Bündnisses für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung“ am 30.10.2016 um 11:00 Uhr vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof auf. Die Demonstration endet mit einer Kundgebung auf dem Dernschen Gelände gegen 12:00 Uhr.

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An den hessischen Schulen gilt seit einigen Wochen ein neuer „Lehrplan Sexualerziehung“, der die Verschiedenheit und Vielfalt von geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung anerkennt und ihnen wertschätzend begegnet. Hessen möchte mit dem neuen Lehrplan Kinder und Jugendliche darin bestärken, ein positives und akzeptiertes Selbstbild zu entwickeln und will sie befähigen sich selbstbewusst gegen Diskriminierung und Ausgrenzung behaupten können. Gegen dieses Vorhaben stellt sich die sog. „Demo für alle“, die am selben Tag ebenfalls eine Kundgebung in Wiesbaden plant.

Die dubiosen und unsachlich-schwammig formulierten Argumente der „Demo für alle“ müssen als das entlarvt werden, was sie sind – minderheitenfeindlich. Das gefährliche Spiel mit Vorurteilen führt zu Missverständnissen und Ängsten, die besonders junge Menschen verschrecken: Kinder aus Regenbogenfamilien, Jugendliche und junge Erwachsene und nicht zuletzt alle Menschen, die nicht der Heteronormativität entsprechen, werden so an den gesellschaftlichen Rand gedrängt.

Die homophobe „Demo für alle“ um Hedwig von Beverfoerde wetterte bereits in Baden-Württemberg in einem christlich-fundamentalistischen und rechtspopulistischen Umfeld gegen den dortigen Aktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte“ und macht derzeit ebenso Stimmung gegen die Neufassung der „Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung“ in Bayern. Beverfoerde organisiert die homophobe „Demo für alle“, sitzt im Redaktionsbeirat der rechtpopulistischen Freien Welt und war lange Zeit Sprecherin der Initiative Familienschutz um die AfD-Politikerin Beatrix von Storch. Ihr geht es um Abwertung und Ausgrenzung all jener, die nicht ultrakatholischen und rechtspopulistischen Familien- und Geschlechterbildern entsprechen. Sie schafft damit den Nährboden für Ausgrenzung und Anfeindungen.

Der LSVD Hessen tritt für einen selbstverständlichen und gleichwertigen Umgang mit unterschiedlichen Lebensformen, gerade auch in Schulen und Kitas, ein. Jungen Menschen muss deutlich gemacht werden, dass Heterosexualität nicht selbstverständlich sein muss und z.B. lesbisch sein nichts ist, wofür man sich schämen sollte. Menschen sind vielfältig, in ihrem Handeln, in ihrem Aussehen und auch in ihrer Liebe zu anderen Menschen.

Gefährlich daran ist grundsätzlich nichts, außer der Gefahr der Diskriminierung und Ausgrenzungen, der gerade Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind, wenn sie sich in ihrer selbstbestimmten Lebensweise, zu der auch die sexuelle Identität gehört, entdecken.

 

Hintergrund

Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung

Lehrplan Sexualerziehung – Für allgemeinbildende und berufliche Schulen in Hessen

Rechtlichen Vorgaben für den Sexualkundeunterricht