Radiobeitrag Deutschlandfunk LänderzeitAm 27. September 2017 war der LSVD, vertreten durch Helmut Metzner aus dem Bundesvorstand, beim Deutschlandfunk in dessen Format Länderzeit zu Gast. Aufhänger für das Sendungsthema „Gegen Ausgrenzung und Belästigung. Hessen wirbt für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ war unter anderem der hessische Aktionsplan  für Akzeptanz und Vielfalt.

Offen und dann doch nicht offen

Neben Helmut Metzner waren auch Susanne Stedtfeld (Leiterin der Stabsstelle Antidiskriminierung im Hessischen Sozial- und Integrationsministerium) und Beate Küpper (Professorin für Soziale Arbeit in Gruppen‐ und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein) in der Sendung zu Gast. Zuhörer wurden per Telefon zugeschaltet oder konnten sich per E-Mail äußern.

Beate Küpper berichtete im Rahmen der Sendung mehrfach von den Ergebnissen ihrer Studie, die Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland untersuchte und von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegeben war. Viele Erkenntnisse der Studie wurden bereits veröffentlicht, darunter beispielsweise die Tendenz, Lesben, Schwulen und Bisexuellen vor allem dann kritisch gegenüberzustehen, wenn sie dem eigenen Lebensumfeld näher kommen. So haben viele der Befragten „generell“ kein Problem mit der genannten Gruppe, finden aber beispielsweise Homosexualität bei den eigenen Kindern oder homosexuelle Betreuer in ihrer KiTa problematisch.  

Bildung bringt Aufklärung

Umso wichtiger, auch dies wurde in der Sendung von den Gästen herausgestellt, ist es, bereits früh in der Bildung für Aufklärung zu sorgen und für Toleranz zu werben. In diesem Sinne wurde auch der mittlerweile beschlossene hessische Aktionsplan  für Akzeptanz und Vielfalt erarbeitet. Unter den 33 darin festgemachten Maßnahmen finden sich auch Bildungsprogramme wie beispielsweise das SCHLAU-Projekt. Metzner bestätigte die Wichtigkeit des Aktionsplans für die Aufklärung und berichtete von guten Erfahrungen. Alle Gäste wiesen darauf hin, dass vor allem Lehrkräfte hier noch stärker geschult werden sollten, um den möglichen Sorgen von Eltern und Schülern adäquat begegnen zu können. Vielfalt müsse als Bereicherung vermittelt werden, nicht als Bedrohung.

Kampf den Mythen

Wie oft das bloße Anderssein nach wie vor als Bedrohung aufgefasst wird, zeigten auch Einwände von Zuhörern. So sprach ein Anrufer von einer durch die Aufklärung zu LGBTIQ-Themen enstehenden „riesigen Gefahr“ für Jugendliche, die dadurch in ihrer Rollenentwicklung gestört würden. Besonders Helmut Metzner wehrte diesen Einwurf energisch ab und verwies darauf, dass sexuelle Orientierung nicht erlernbar sei. Eine negative Auswirkung, so wie sie der Zuhörer beschrieb, sei oft eine „gefühlte Empirie“, die wissenschaftlich gar nicht belegbar sei. Er verwies in diesem Zuge auch auf die deutlich höhere Selbstmordrate von homo- und transsexuellen Jugendlichen, die aufgrund ihrer Identität eher Gefahr laufen, sozial isoliert zu werden. 

Pauschalisierten Meinungen, so waren sich die drei ExpertInnen der Sendung einig, müsse man gerade in Zeiten des Wahlerfolgs der AfD entschlossen entegegentreten, Mythen müssten empirisch widerlegt werden. Sonst sei die Gefahr groß, dass die Abwertung anderer wieder gesellschaftsfähig werden könnte. Nicht selten wird bereits das bloße Erwähnen homo- oder transsexueller Thematik als übertrieben aufgefasst. Allein dies zeigt, wie viel Aufklärungsarbeit in diesem Bereich noch zu leisten ist.

Aktionspläne unterstützen Aufklärungsarbeit

Insofern ist der Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt, wie ihn Hessen und einige andere Bundesländer schon beschlossen haben, ein wichtiger Schritt in Richtung Antidiskriminierung. Die im hessischen Aktionsplan beschlossenen 33 Maßnahmen betreffen dabei verschiedenste Bereiche des Lebens, darunter das Ressort Bildung, aber auch eine Stärkung verschiedener Beratungs- und anderer Anlaufstellen. Viele Ideen kamen aus der queeren Community Hessens selbst. Wer sich genauer über den Aktionsplan informieren will, findet hier weitere Informationen. 

Den Podcast zur gesamten Sendung findet Ihr hier.