Auf dem 29. Verbandstag hat der LSVD nach eingehender Diskussion der Mitglieder nun noch vor der nächsten Bundestagswahl ein neues Positionspapier zum Thema Regenbogenfamilien beschlossen. Die darin aufgestellten Leitlinien und die sich daraus ergebenden Forderungen an das deutsche Familienrecht sollen der heute bereits gelebten vielfältigen Situation von Regenbogenfamilien Rechnung tragen. 

RegenbogenfamilienDem aktuellen Papier geht eine umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Thema Regenbogenfamilien auf Basis eines ersten Entwurfs aus dem vorangegangenen Jahr voraus. In diese Arbeit haben sich auch Mitglieder der LSVD-Gruppe ILSE Hessen engagiert eingebracht und Ihre Ideen und Vorstellungen rege diskutiert. Wir danken Ihnen hiermit sehr für Ihren Einsatz. 

Im Folgenden wollen wir einige Kernfragen, die das Papier bestimmen, zusammenfassen. Das komplette Positionspapier könnt Ihr hier einsehen. 

Was bedeutet Familie?

Was ist eigentlich eine Familie? Und was ist im Umkehrschluss eben keine Familie? Diese Frage begegnet vor allem Menschen, die nicht der heterosexuellen Norm entsprechen, im Alltag immer wieder. Beim Thema Kinderwunsch stehen sie immer wieder im Zentrum der Kritik und müssen sich vor allem der Vorstellung erwehren, die eigenen Bedürfnisse über das Kindeswohl zu stellen. Diese Vorstellung wird nicht zuletzt  von der aktuellen politischen Position unserer Regierung, die Regenbogenfamilien gegenüber Familien mit heterosexuellen Elternteilen juristisch klar benachteiligt, genährt. So bleiben die Ehe für alle und das auch daran angeschlossene Adoptionsrecht beispielsweise weiterhin strittige Diskussionspunkte der Koalition. Für den LSVD zählt die Gleichstellung in Bezug auf Ehe und Adoption weiterhin zu den zentralen Forderungen im Familienrecht.

Mehrelternschaft

Gleichzeitig zeigt sich angesichts moderner Möglichkeit der Familiengründung aber auch, dass die klassische Zweierbeziehung, aus der eine duale Elternschaft hervorgeht, ebenfalls nur eine von vielen Familienformen ist. Allein unter den Mitgliedern des LSVD finden sich so zahlreiche Eltern-Kind-Konstellationen, die den Rahmen konservativer Verantwortungsteilung (erfolgreich) sprengen, darunter beispielsweise auch eine Mehrelternschaft (mehr als zwei Personen verstehen sich als Elternteile des Kindes/der Kinder). Auch diesen Familien muss juristisch Rechnung getragen werden, denn derzeit können ausschließlich zwei Elternteile die gesetzliche Vormundschaft für ein Kind übernehmen. 

Chancen und Grenzen der Reproduktionsmedizin

Darüber hinaus stellen sich ethische Fragen im Bereich der Reproduktionsmedizin. Von der Eizellspende bis zur Leihmutterschaft müssen die Möglichkeiten der modernen Medizin hinterfragt, in Bezug auf Chancen und Risiken geprüft und schließlich gesellschaftlich bewertet werden. Deutschland ist hier im internationalen Vergleich bisher zurückhaltend, sodass die Frage einer Öffnung für verschiedenste Formen der Familiengründung weiterhin im Raum steht und auch von uns als Verband rege diskutiert werden muss. Der LSVD spricht sich für eine altrusitische Eizellspende und Leihmutterschaft aus (konkrete Definition des Begriffs „altruistisch“ im Positionspapier). Der Zugang zur Embryonenspende soll auch über heterosexuelle Lebensgemeinschaften hinaus ermöglicht und auch die Kostenübernahme von Kinderwunschbehandlungen soll entsprechend angepasst werden.

Trans- und Intersexualität

Nicht zuletzt sollte auch das Thema der Trans- und Intersexualität im Bereich der Regenbogenfamilien (und natürlich allgemeingesellschaftlich) stärkeres Gehör finden. Das Selbstbestimmungsrecht auf eine individuelle Identität darf sowohl bei Kindern als auch bei Elternteilen nicht durch die Zwänge der biologisch begründeten Elternschaft bestimmt werden. 

Weitere Informationen findet Ihr im Positionspapier.